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spezial-kapitel 3
Studio Tagebuch Wangen:
03.03.2005:
"Jetzt geht es endlich los!"

Vormittags noch Anatomie nachschreiben und danach gleich ab nach Ravensburg. Eigentlich wollte ich ja die zwei Wochen vor den Aufnahmen nutzen, um mich auf diese vorzubereiten, mir bei jedem Lied auszurechnen, wie viele Spuren wir brauchen und was noch alles an zweit Stimmen rein kommt, aber dann kam die Anatomienachklausur dazwischen. So blieben mir zwischen Studium und Aufnahmen ca. 4 Stunden, die ich natürlich sinnvoll in fernsehen anlegte (für so etwas hasse ich mich, aber ich hab seit zwei Wochen nicht mehr ferngesehen und brauch die Strahlung). Wir trafen uns mit Domi gegen fünf im Proberaum, packten unser Equipment in die Autos und los ging es nach Wangen. Wangen ist ein kleines, verträumtes Städtchen im Allgäu. Die einheimischen Jugendlichen bezeichnen Wangen oft als "Suck City", wohl, weil ihrer Meinung nach nicht viel geht, aber in Wirklichkeit ist Wangen das Zuhause der Rockmusik (zumindest hier in der Umgebung). Bands wie Venerea spielen in Hamburg, München … und Wangen. Als wir das letztes Jahr in Wangen spielten ging für uns ein Traum in Erfüllung und es war wirklich eine der coolsten Locations in denen wir je gespielt haben (wenn nicht sogar die coolste). In Wangen weiß man Live-Musik halt noch zu schätzen. Als wir im September dann in der Tonne spielten fragte Stefan uns, ob wir nicht im Jugendhaus in Wangen aufnehmen wollen, da sie sich gerade ein neues Aufnahmegerät gekauft hatten. Wir hatten zwar noch nicht mal unsere aktuelle CD beim Pressen, aber die nächsten Aufnahmen kann man nicht zeitig genug planen, denn das letzte Mal lehnten wir uns nach unserem ersten Album erstmal zurück und dann dauerte es über ein Jahr, bis aus der Idee schnell eine fünf Song Demo zu machen Realität wurde. Wir sind ja eine Band die aus Fehlern lernt (wir machen schließlich auch genug), also fingen wir schon da mit der Planung an:
Selbst wenn es gegen die menschliche Vernunft ist, möchte ich wieder einen Longplayer rausbringen. Das ist zwar aufwendig und bringt marketingtechnisch lang nicht soviel ein, als würde man zwei EP's rausbringen, aber ich hoffe einfach, dass es Leute gibt, die das zu schätzen wissen. Geplant sind 15 Songs, die wir in fünfer Abschnitten in verschiedenen Studios aufnehmen. Das ist zwar sicherlich auch eine völlig blöde Idee, aber es bietet sich aus mehreren Gründen an:
Wir wollen gern ein paar Songs auch in einem etwas teureren Studio aufnehmen, haben aber nicht genug Geld, um alle in dem Studio aufzunehmen. Es hat sich auch als gut erwiesen nicht mehr als fünf Songs auf einmal aufzunehmen, da man sich dann besser auf die einzelnen Songs konzentrieren kann. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es Leute gibt, die es interessant finden und das Album klingt dadurch auch noch ein bisschen abwechslungsreicher. Wie auch immer, als wir in Wangen ankamen wurden wir schon von Stefan und einigen Jugendhaus-Mitarbeiter/innen empfangen. Später kamen auch noch der Schorsch (der Aufnahmeleiter), Fred (der Mann für den richtigen Sound) und Jozi (ein Schaulustiger). Gemeinsam räumten wir den Proberaum auf, um ihn zum Aufnahmeraum umzufunktionieren (ich möchte mich bei allen Anti-Technokraten für diese Wort entschuldigen) und das Fotolabor zwei Stockwerke drüber wurde zu einem gemütlichen Regieraum eingerichtet. Dann brachten wir unser Equipment rein und ließen es begutachten. Es wurde gleich festgestellt, dass mein Gitarrenverstärker und der Bassverstärker meines Bruders wohl nicht geeignet sind für die Aufnahmen (Konkret: Unsere Verstärker wurden ausgelacht). Es wurde also beschlossen, dass beide Gitarren über Jan's Verstärker eingespielt werden und mein Bruder über den Bassverstärker von Jozi spielen soll (Vielen Dank an dieser Stelle an Johannes von Great Guns). Dann besprachen wir noch einige Kleinigkeiten und fuhren dann wieder Heim.


Studio Tagebuch Wangen:
04.03.2005:
"Der Rhythmus im Blut"

Über Fred konnten wir bei Audio Concept richtigprofessionelle Schlagzeugmikros ausleihen. Sehr geil, Danke! Also fuhr ich vormittags, gleich nachdem ich mit meinem Bruder eingekauft hatte nach Bad Schussenried. Wer konnte ahnen, dass der Bahnhof soweit außerhalb von Bad Schussenried lag? Dann fuhren wir mit dem Domi nach Wangen. In Wangen angekommen ging es an das Aufstellen der Mikrophone und Einstellen des Equipments. Ich würde euch gern mehr erzählen, aber ich hab nichts verstanden… Um kurz nach 5 waren dann auch Jan und Tim da und es konnte losgehen. Bisher hatten wir immer so aufgenommen, dass ich zuerst eine "Schmutzspur" mit Gitarre und Gesang einspielte und der Domi dann dazu spielte. In Wangen ist es aber üblich, dass Schlagzeug, Bass und eine Gitarre gleichzeitig eingespielt wird, wobei aber hauptsächlich auf die Richigkeit des Schlagzeuges geachtet wird. Also probierten wir mal etwas Neues. Allerdings traute niemand dem Domi zu ohne Metronom den Takt zu halten, also bekam er den Takt über Kopfhörer. Als es nicht ganz so toll klappte, wurde uns nahegelegt, es doch ohne Klick zu probieren. Das taten wir auch und fanden heraus, dass es wirklich viel mehr rockte (und nebenbei hielt der Domi den Takt sogar mehr als ich je gedacht hätte.). Es kamen noch einige alte Bekannte vorbei, unter anderem Great Guns, Daunscht und Dafne, was uns sehr freute. Wir spielten bis 12 und schafften zwei, drei Lieder. Dann fuhren wir Heim und fielen wie tot ins Bett.


Studio Tagebuch Wangen:
05.03.2005:
"Wer sich den ganzen Tag mit Musik vergnügt, darf abends auch feiern!"

Die Lieder, die uns noch vom Vortag fehlten konnten wir recht zügig einspielen und so war Schlagzeug erledigt. Am Schluss haben wir dann doch nur bei "Darwin" und "What you want me to be" den Klick weggelassen, da der Domi bei "20" so schnell wurde, dass ich keine Chance sah es sauber zu spielen, bei "Possibility" war es das selbe Problem und bei "Fishing" sind die Geschwindigkeitswechsel so komisch, dass ich es einfach nicht dem Domi überlassen wollte (ich krieg die Geschwindigkeiten auch nicht in den richtigen Relationen hin).
Am Nachmittag waren noch Semana Santa und Great Guns mit noch einpaar Leuten da, um ihr Equipment für den Abend abzuholen und der Gunnler Thomas war da um uns seine Webcam zu bringen, die wir dann gleich im Aufnahmeraum positionierten um die Menschen, die gerade aufnahmen noch besser kontrollieren zu können! Das wurde gleich an Tim ausprobiert, als er die Bassspur einspielte. War eigentlich ganz ordentlich, man merkte, dass es geübt hatte. Nun merkten wir auch die Fehler, die der Domi reingehauen hatte sehr deutlich. Immer wieder witzig: Bei den Liedern die mit Klick aufgenommen wurden den Klick mit anhören. Meistens stimmte er nach zwei Takten nicht mehr. Bass war an dem Tag dann auch eingespielt und wir machten um 8 Schluss, um uns die Great Guns/Semana Santa -Show im Alcazar anzusehen.
Don Julio, unser Mercher war übrigens auch den ganzen Tag dabei gewesen. Ich mag das Alcazar sehr gern und an dem Abend waren viele Bekannte da. Natürlich war halb Wangen angereist, um ihre beiden Localbands anzufeuern, ein Teil von ".comecloser." war da, so wie der Großteil von "For Heaven's Sake" und auch einige, die wir aus Ravensburg kannten wollten sich das Trommelfell massieren lassen. Wie bei getstoked Partys üblich, lief am Anfang ein Snowboarder Film. Als am Ende des Film die Unfälle gezeigt wurden, war mein Bruder glücklich (Es ist immer so witzig mit anzusehen, wie es Leute mit den Geschlechtsteilen auf diverse Geländer haut!). Wenigstens hatte es sich für ihn auch gelohnt mitzukommen.
Dann legten Great Guns los! Nach einem wirklich großartigen Anfang ließen sie aber gegen Ende (bei den letzten zwei/drei Songs) ein wenig nach. Da sind wir von ihnen besseres gewohnt! Semana Santa spielten an diesem Abend glaube ich die beste Show, die ich von ihnen je gesehen hab, aber die sind ohnehin immer gut. Tömmi hat wirklich stimmlich große Fortschritte gemacht. Als das Konzert vorbei war bemühten wir uns auch möglichst bald zu verschwinden, denn irgendjemand hatte wohl keinen Bock drauf, dass die Party toll wird und lang geht und ließ irgendwelche Leute Ragga und so auflegen, und zwar wirklich in einer unerträglichen Lautstärke. Glücklicherweise hatte es Unmengen geschneit und so durften wir im Schritttempo bis Ravensburg fahren.


Studio Tagebuch Wangen:
06.03.2005:
"Fehler ausbaden, die andere gemacht haben."

Nun war ich mit der Gitarre dran. Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten (ich weiß ja, wie die Lieder gehen...). Es war etwas ungewohnt mit Jan's Gitarrenverstärker zu spielen. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einen großen Unterschied macht, aber da hab ich erst gemerkt, was für einen schrottigen Verstärker ich spiele. Es ist nicht nur der Sound anders, sondern auch das "Spielgefühl". Der Anschlag ist viel genauer, und auch das Dämpfen kommt nicht so verwaschen. War also nach kurzer Eingewöhnungsphase richtig geil.
Als ich dann so das meiste drin hatte ging es an den Gesang. Ich wollte es über mehrere Tage verteilen, weil ich nicht wusste, wie das mit meiner Stimme funktionieren würde. Gebracht hat es nicht viel, denn das ganze Kapitel "Gesang" war eine einzige Qual! In der Vorbereitungszeit hatten wir, da wir bei früheren Aufnahmen hauptsächlich mit dem instrumentalen Teil Schwierigkeiten hatten, immer ohne Gesang geübt. Da unser letzter Auftritt auch schon fast einen Monat her war, hatte ich bis dahin ungefähr einen Monat lang meine Stimme nicht mehr trainiert. Ich hätte nie gedacht, dass das so viel ausmacht. Hinzu kam noch die Schwierigkeit, dass die ganze Situation total steril ist. Es ist ein ganz anderes Gefühl im Studio allein zu singen, als mit der gesamten Band, wo man sich gegenseitig noch ein bisschen pusht. Es hat auf jeden Fall ewig gedauert, bis überhaupt etwas ging, dann war es aber wenigstens einiger Maßen ok.
Meine Stimme war zwar noch nicht im Sack, aber ich wollte unbedingt, dass der Jan an dem Tag noch einspielt, da er ja bis dahin immer nur rumgesessen ist. Es gab einige Passagen, an denen wir wirklich schier verzweifelt sind, aber irgendwie hat er es dann doch hingekriegt. Und mit 3 1/2 Stunden lag er auch sehr gut in der Zeit. Es ist mir immer ein Rätsel, wie er übelst komplizierte Soli hinkriegt, ohne mit der Wimper zu zucken, dann aber an (meiner Meinung nach) relativ einfachen Rhythmen scheitert. Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass er geübt hat und war/bin zufrieden.
So gegen 12 haben wir es an dem Tag dann auch gelassen und sind Heim gefahren.


Studio Tagebuch Wangen:
07.03.2005
"Der Tag der explodierenden Köpfe!"

Von zuhause nahm ich mir eine fette Thermoskanne Tee mit, denn an diesem Tag stand Gesang auf dem Plan und ich machte mich nach meinen Schwierigkeiten am Vortag auf Schlimmes gefasst. Und trotzdem: Es wurde noch schlimmer. Irgendwie kriegte ich einfach nichts wirklich gebacken. Die Gesangspassagen gingen irgendwie einigermaßen, obwohl ich auch da das Gefühl hatte, dass es weniger druckvoll war, als wenn wir es live spielen, aber die Stellen mit Geschrei waren eine einzige Qual: Ich hatte das Gefühl, dass immer irgendetwas an meinen Stimmbändern noch ungewollt "mitzittert". In Anatomie hab ich mir ja Stimmbänder schon am toten Menschen angesehen und auseinander geschnitten, aber leider half mir das in dieser Situation nicht viel. Also entschied ich mich für eine Pause, in der wir noch die "Firlefanzgitarre" einspielten. Zum Beispiel spielten wir bei Soli (die ja vorzugsweise der Jan spielt) auf Jan's Spur zusätzlich eine Rhythmusgitarre, damit es voller klingt. Jan's Solo wurde dann in die Mitte gelegt. Ach ja, vielleicht sollte ich das noch ein bisschen genauer erklären, für die, die sich mit Stereo nicht auskennen: Wir leben in einer modernen Welt und da versucht man natürlich Kunst so zu machen, dass es möglichst wenig künstlich klingt, sondern am besten so, als wär man (in diesem Fall) Live bei einem Auftritt dabei. Das Gefühl der räumlichen Aufteilung einer Band wird dadurch simuliert, dass auf jeder Platte, Kassette, CD, etc. die diesen Stereo-Effekt haben zwei Spuren (ich glaub manchmal auch noch mehr) parallel ablaufen. Die eine Spur wird von der linken, die andere von der rechten Box wiedergegeben.
Die einzelnen Instrumente werden nun so verteilt, wie man es auch hören würde, wenn man vor der Bühne steht. Üblich ist, dass der Bass auf beiden Spuren gleich laut ist, das Schlagzeug ist halt so verteilt, wie es halt auf der Bühne steht (linkes Overhead, High-Hat und linke Hängetom (vom Schlagzeuger aus gesehen) glaube ich eher rechts; Snear und Bassdrum wohl in der Mitte (kann sein, dass Doublebass auf die zwei Seiten verteilt wird); Standtom und rechtes Overhead dementsprechend links) und Gitarren werden halt so verteilt, dass jeweils eine Gitarre auf einer Seite zu hören ist. Bei Gesang ist es oft sehr unterschiedlich, aber Hauptgesang meist in der Mitte.
Also: Soli meistens in die Mitte und damit der Hintergrund nicht "absackt" die "fehlende Gitarre" durch die normale Rhythmusgitarre auffüllen. An manche Stellen haben wir noch Sachen gespielt, die wir so live nicht reproduzieren können, aber es sind meist nur Kleinigkeiten und wir haben uns dieses Mal wirklich zurückgehalten.
Dann versuchte ich mich nochmal am Gesang, aber ich ruinierte meine Stimme so komplett, dass echt nur noch ein (doch recht lautes) Schnurren rauskam. Auf jeden Fall hörte es sich nicht so an, wie ich es gewohnt war.
Also ließ ich meine Bandkollegen ran, um die zweit Stimmen einzusingen. Irgendwie enttäuschend zu hören, dass die noch schlechter sind. Allerdings hatte der Jan geübt, sodass er die Töne überraschend sauber traf. Einzig an der Qualität seiner Stimme sollte er noch arbeiten. Von meinem Bruder hätte ich mehr erwartet.
Den größten Spaß hatten wir auf jeden Fall beim Einsingen der 2. Stimmen zu Darwin. Durch einen glücklichen Zufall waren gerade einige Leute auch von Semana Santa und so anwesend, als der Jan die Bridge bei Darwin einsingen/schreien sollte. Als er mit dem ersten Take fertig war saßen alle völlig sprachlos dran unentschlossen darüber, ob wir das ernst meinen, ob der Jan nur falsch gesungen hat, ob man nicht die Stelle ändern könnte oder ob man es einfach hinnehmen sollte. Nach einer ewigen Zeit des Schweigens entschied ich mich die Stille zu durchbrechen und meinte: "Eigentlich garnicht so schlecht!" (ich mochte die Idee, dass es verzweifelt, kindlich klingt). Die Antwort war riesiges Gelächter, an dem ich gern Teil nahm. Um Jan an unserem Spaß teil haben zu lassen spielten wir ihm die Stelle vor. Und da es uns so gefiel, ließen wir ihn noch einpaar mal die Stelle einsingen, entschieden uns aber dann doch dazu, dass ich die Stelle einsinge.
Im Refrain von Darwin singen wir mit Jan ja immer zu zweit und mein Bruder macht da eine Art Antwortgesang dazu. Nachdem ich da noch eine zweite Stimme drüber sang meinte Fred, es würde ihm das Hirn sprengen und zu dem Zeitpunkt hatte er noch die dreistimmige Stelle im zweiten Refrain noch nicht gehört. Irgendwie wollte uns niemand erlauben den dreistimmigen Gesang drin zu lassen. Ich fühlte mich unverstanden. Kann es wirklich sein, dass niemand die Ästhetik des Hässlichen erkennt? Wahrscheinlich haben wir beim Proben deshalb so ewig gebraucht, bis wir es "richtig" hinkriegten, weil die Töne einfach nicht zusammen passen. Ich beugte mich der Übermacht der Kakophonie-Gegner und ließ jeweils eine Spur löschen (ich wollte schließlich nicht Fred's Hirn von der Wand kratzen). Schade! Aber Live können sie uns nicht daran hindern...
So ein bisschen Geschrei meinerseits ging am Schluss auch noch, aber ziemlich bald machten wir dann Schluss. Wir hatten ja noch einen Tag!


Studio Tagebuch Wangen:
08.03.2005
"Wie, schon fertig?"

Morgens musste ich noch die Mikros zu Audio Concept zurückbringen. Also mussten wir von Ravensburg erst nach Bad Schussenried fahren, dann wieder zurück nach Weingarten um Jan abzuholen und dann nach Wangen. Insgesamt 2 Stunden fahrt (bei der mich freundlicher Weise mein Bruder begleitete). Genug Zeit um mich einzusingen. Ich fing leise an und steigerte meine Lautstärke langsam und kontinuierlich, bis wir in Wangen angekommen waren und sich meine beiden Mitfahrer vor Schmerzen krümmten! Es ist natürlich schwierig zu beurteilen, wie viel es gebracht hat, da ich ja nicht weiß, wie es ohne gewesen wäre. Gut war es auf jeden Fall nicht, aber es reichte um den Rest so einigermaßen einzusingen. Dann noch einpaar Zweitstimmen und wir waren nachmittags fertig.
Nun mussten wir uns alle Spuren einzeln anhören, ob irgendwelche Störgeräusche drin sind, um sie dann rauszuschneiden. Unglaublich, was für Kleinigkeiten der Schorsch raushörte. Zum Teil sogar Sachen, die ich nichtmal genau hörte, nachdem ich genau auf die Stelle hingewiesen wurde.
Nachdem Fred sich während den Aufnahmen immer sehr zurückgehalten hatte, war er nun, wo es ans Abmischen ging voll da! Gemeinsam mit Schorsch drehte er nun an knöpften rum, beriet sich mit Schorsch und uns und erklärte nebenher technische Sachverhalte, um es uns ein bisschen verständlicher zu machen. Innerhalb von kürzester Zeit war alles so gut wie fertig abgemischt. Es war wirklich eine Freude zuzusehen. Als sie fertig waren, durften wir noch sagen, was uns nicht gefällt und dann wurde alles auf Datenträger überspielt und auf einmal waren wir fertig.

Ja, wir waren fertig.

Und nach einpaar Spielen Kommander Keen packten wir unser Equipment zusammen und gingen Heim.


Studio Tagebuch Wangen:
09.03.2005
"Ach, lassen wir das einfach so, SeSa nehmen sowieso bald auf!"

Fast hätte ich es vergessen: Aufräumen!

Es gibt eigentlich nur einen kleinen Nachtrag zu berichten:
Semana Santa nahmen zwei Wochen nach uns auf und als die fertig waren musste der Toastmaker zwei Stunden eingeweicht und ca. 3 Stunden geputzt werden. Da waren wir wohl auch nicht ganz unschuldig. Tut uns Leid.


Studio Tagebuch Wangen:
Das Resume:

Es waren fünf äußerst erfahrungsreiche und witzige Tage. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und es gibt einige Leute, denen wir gerne an dieser Stelle unseren Dank ausprechen möchten.
Schorsch: Ich hab selten so gelassene und geduldige Menschen gesehen. Selbst wenn wir den größten Scheiß zusammengespielt haben und es völlig aussichtslos schien, verlor er nicht die Nerven und wusste immer die Situation aufzulockern. Er macht das Ganze ehrenamtlich und hat uns dafür sogar sein Wochenende und vier Tage Urlaub geopfert. Jeden Tag war er vom Anfang bis zum Ende mit dabei und hat auch große Teile des Equipments aus seiner Privatsammlung gestellt. Auch bei Auftritten hat er uns schon so manches Mal abgemischt und es ist echt erstaunlich, aber wir hatten ohne Soundcheck oft einen besseren Sound auf der Bühne, als bei den meisten anderen Konzerten selbst mit ewigem Soundcheck.
Fred: Er hat einfach ein sehr gutes Gespür für den richtigen Sound. Der dreht an einpaar Knöpfen rum und auf einmal klingt es richtig geil. Unvergessen bleibt sicherlich auch, wie er sich Schorsch's Kopfhörer vom Kopf riss, als unser zweistimmiger Gesang einsetzte. Die gute Nachricht ist: Fred's Kopf ist nicht explodiert. Dafür musste Schorsch die Zerstörung seines Kopfhörers in Kauf nehmen. Auch er war fast immer da und stand uns auch musikalisch und technisch immer mit wörterbuchreifen (also auch für mich verständlichen) Erklärungen zur Seite.
Steve: Alles was rockmusikmäßig in Wangen geht, läuft mehr oder weniger über ihn und es funktioniert (nur soviel zu den Leuten, die Demokratie so toll finden!). Er hat uns diese Möglichkeit vermittelt, alles mit dem Jugendhaus abgeklärt und war selbst in jeder freien Minute anwesend. Obwohl er dem Schorsch und dem Fred nicht in ihr Handwerk reinredete, ist er in gewisser Weise mitverantwortlich für die CD, denn er hat uns jede Menge Tipps gegeben (Naja, hauptsächlich hat er uns einpaar Sachen verboten, durch die die Lieder lächerlich klingen würden). Das Gute an Steve ist, dass er einem alles ins Gesicht sagt und das ist genau meine Einstellung, mit offener Kritik kann man viel besser umgehen und auch was anfangen, als wenn man aus einem nett formulierten Satz herausfinden muss, was gemeint ist.
Vielen Dank an diese drei, die wirklich maßgeblich für das Gelingen dieser Aufnahmen und für den Spaß, den wir dabei hatten verantwortlich waren.
Die enge Zusammenarbeit der Tonne mit dem Jugendhaus Wangen bietet ideale Voraussetzungen für die musikalischen Ereignisse, die ja in Wangen gehäuft stattfinden. Dass das Jugendhaus überhaupt ein so gutes Aufnahmegerät und das restliche Equipment hat haben wir und alle andern, die dessen Nutzen nießen (schreibt man das so?) Jörg, dem Leiter des Jugendhauses zu verdanken. Er unterstützt gemeinsam mit seinen Mitabeiterinnen Corinna und Jessi und den Zivis die Rockszene in Wangen so gut er kann. Vielen Dank, dass es diese Möglichkeit gibt und auch dass wir uns immer auf ihre Hilfe verlassen konnten.
Ein fettes "Danke schön" und ein leises "Entschuldigung" geht auch raus an die Bands, deren Proberaum wir für die Zeit der Aufnahmen belagert haben: Semana Santa, For Heaven's Sake und Great Guns. Besonders an Jozi, der uns außer seinem Bassamp auch seinen Computer zur Verfügung stellte, der auch für irgendetwas wichtig war. Ich weiß nur, dass er hauptsächlich für Kommander Kean genutzt wurde und dass die Webcam daran angeschlossen war. An dieser Stelle danke an Thomas, der die Webcam stellte (was hätten wir nur ohne die gemacht?).
Danke auch an alle, die so mal vorbeigekommen sind und mit ihrer Anwesenheit die Atmosphäre noch ein wenig aufgelockert haben.

Aber was haben wir aus diesen 5 Tagen gelernt, immerhin haben wir wirklich viel Zeit mit Musik und einem Medium, das wir sonst nicht so oft nutzen – dem Aufnahmegerät - verbracht. Wie ich schon im Vorfeld erklärt hatte, bestand der Großteil unserer Vorbereitung darin die Songs instrumental zu üben, um konkret zu hören, wie sich die Instrumente im Vergleich zu einander anhören. Dabei hatte Domi Kopfhörer auf, über die er den "Klick" hören konnte.
Aus diesen Vorbereitungen resultierten auch die meisten Fehler bei den Aufnahmen. Ein Problem war, dass wir (Tim und ich) den Klick nicht hörten und Domi so hin und her gerissen war zwischen uns und dem Klick und das bedeutete unweigerlich, dass er so gut wie gar nicht nach Klick gespielt hat und sich durch den Klick nur rausbringen ließ. Außerdem spielte er schon in der Vorbereitungszeit immer falsch, was wir leider nicht merkten, da wir ja den Klick nicht hörten.
Ein weiteres großes Problem war eben, dass wir nur instrumental geübt hatten. Ich hätte nie gedacht, dass ich solche Probleme mit meiner Stimme haben würden. Aber im Rückblick konnte es gar nicht anders laufen, denn ich hatte ja schon seit über einem Monat meine Stimmbänder nicht mehr so benutzt, wie ich es auf der Bühne tue. Auch die Zweitstimmen hätten wir viel intensiver üben müssen. Das Gute an Fehlern ist, dass man aus ihnen lernen kann. Wir haben wirklich viel gelernt bei den Aufnahmen!


Studiotagebuch Burnout:
02.01.2006:
„Verwirrung und Winterdepression“

Auch auf die Gefahr hin, dass alles durcheinander läuft, werde ich meinen heutigen Beitrag hauptsächlich unseren momentanen Aufnahmen widmen.
Wie manche vielleicht schon wissen, sind wir schon seit längerem am unserem neuen Album dran. Wir haben im März 5 Songs im JuHa Wangen aufgenommen, von denen man einen auf unserer Homepage herunterladen kann, die Berichte dazu liegen schon seit langem auf meinem Rechner und ich müsste sie nur noch dem Jan schicken, damit er sie auf der Homepage veröffentlicht. Des weiteren haben wir im Juli 5 Songs bei Pampa Records aufgenommen, im Oktober hatten wir schon eine Foto-Session für das Cover und letzte Woche hatten wir nochmal Aufnahmen mit Tobi Zahn, da haben wir aber nur einen Song aufgenommen. Berichte zu diesen Ereignissen werden noch folgen. Außerdem schulde ich euch noch die Reviews zu unserem richtig geilen Konzert in Tengen und zu dem in Konstanz. Doch leider ist meine Zeit momentan sehr beschränkt, weshalb ich nun nur unser heutiges Tageswerk in Worte fassen möchte:
Heut ging es endlich los mit unserer letzten Aufnahme-Session. Noch 4 Songs und unser Album ist zumindest von den Aufnahmen her fertig. Wir nehmen bei Burnout auf, dem Studio von Marcus Aschenbrenner, den der eine oder andere als Mischer diverser Konzerte oder Dj im Douala kennt. Sowohl in seinem Studio, als auch in seinem Kopf herrscht ein heilloses Durcheinander, was erstaunlicherweise aber zu wunderschönem, kreativem Output führt.
Sehr widerwillig ließ er sich nur darauf ein Schlagzeug mit Klick aufzunehmen (die Gründe hier für habe ich in dem Studio-Tagebuch aus Wangen festgehalten, das leider noch nicht veröffentlicht ist.). Er meint, es sein ein Emotionstöter, womit er sicherlich recht hat, aber die Aufnahmen werden dadurch wesentlich erträglicher, da Domi sonst mit dem Tempo zu sehr schwankt. Nach einer längeren Diskussion ließen wir uns darauf ein, den einen Song ohne Klick zu spielen. Bei dem Song wäre es sicherlich sinnvoll gewesen ihn ohne Klick aufzunehmen, aber leider klappte es nicht. Leider klappte aber alles mit Klick auch nicht so toll, wie ich das gern gehabt hätte, was mich mal wieder in meine übliche Drum-Recording-Depression stürtze.
Jedes Mal, wenn wir Schlagzeug aufnehmen, bin ich hinterher kurz davor alles hinzuwerfen. Bei Pampa war es einiger Maßen ok, aber da haben wir auch sehr viel geübt vorher und die Songs waren auch verhältnismäßig einfach. Aber für diese Aufnahmen sind die Vorbereitungen leider viel zu spärlich ausgefallen und so konnte ich viele Details, die aber eben den Unterschied zwischen einen mäßigen und einem guten Song ausmachen, nicht mit Domi abklären. Wir hatten einfach gerade im Dezember viel zu viel zu tun und meiner Meinung nach ist es als Band immer noch am wichtigsten Live aufzutreten. Einer kleinen Band wie uns kann eine kreative Schaffenspause das Genick brechen.
Aber irgendwie haben wir Schlagzeug doch reingekriegt, bis auf einen Song, den wir morgen nochmal machen wollen. Danach hat mein Bruder noch ewig an den Bassspuren für zwei Lieder rumgemacht. Das Ergebnis ist denke ich schon ganz ok, aber eigentlich wollte ich heute mit Schlagzeug und Bass fertig werden. Wir sind jetzt schon dermaßen in Verzug, dass ich befürchte, wir werden nicht fertig. Das wäre sehr schlimm. Wir haben eigentlich keine wirklichen Ausweichsmöglichkeiten, da wir in unserer verbleibenden Freizeit am Cover arbeiten müssen.
Am Schluss haben wir noch in Domi's Geburtstag reingefeiert. Irgendwie schade, dass er seinen Geburtstag nicht gebührend feiern kann, aber wir kommen zeitlich einfach nicht anders hin. Ich rechne ihm das hoch an.
Na ja, ich hoffe mal, dass wir morgen die Gitarren fertig kriegen.

Gruß, Bene


Studiotagebuch Burnout:
03.01.2006
„Es regnet Hunde und Katzen!“

Nachdem wir gestern mit Schlagzeug und Bass nicht ganz fertig geworden sind, ging das heute einiger Maßen schnell, so dass ich recht bald mit meinem Gitarrenzeug anfangen konnte. Komischer Weise hat das 5 Stunden gedauert und wenn ich es recht bedenke, weiß ich gar nicht, wo die ganze Zeit hin ist. Aber wenigstens bin ich fertig.
Es hat sich bei früheren Aufnahmen schon als vorteilhaft erwiesen Gesang auf mindestens zwei Tage zu verteilen, weshalb ich dann noch zwei Songs eingesungen hab, anstatt dass wir mit Jan weiter gemacht hätten. Na ja, bis auf, dass meine Stimme ziemlich beschissen klingt, ist es eigentlich ziemlich schlecht. Aber das wird sicher noch, denn wir haben ja noch einen Tag!

Gruß, Bene


Studiotagebuch Burnout:
04.01.2006
„Am Ende, aber noch lange nicht fertig!“

Ich möchte mit einer Art Nachtrag zur Lindau Review beginnen, da mich einige gefragt haben, was denn aus meiner Beziehung zu Raphael, dem Sänger von The Eelshow, geworden ist. Er hat mir noch am selben Abend gestanden, dass er heterosexuell ist. Somit teilen wir zumindest unsere sexuelle Neigung. Mein eigentlicher Nachtrag soll aber aus einem Zitat bestehen, denn soeben erreichte mich eine Mail von Raphael mit folgendem Inhalt:

"Ich esse gerade ungarisches Gulasch und muss bei jedem Happen Rindfleisch, der zu meinem Mund wandert, an das zarte und betörende Fleisch Deines Körpers denken."

Mehr stand nicht drin und ich muss - außer diesem Satz - wohl auch nicht mehr dazu sagen...

Treffender Weise begann mein Tag mit einem anderen Eelshow Mitglied, nämlich Chritz, dem Shred-Gitarristen (ich hoffe, das stimmt). Am 2.Weihnachtsfeiertag war ich auf der Eelshow DVD-Launch-Party (übrigens kann ich die DVD jedem nur empfehlen!) und dort hatten The Eelshow einen Unplugged Auftritt, der mir übrigens sehr gut gefallen hat. Da der eigentliche Shriek-Gitarrist - Felix - , der zur Zeit in Spanien ist und für die Zeit seiner Abwesenheit von Alex, dem Bassisten, vertreten wird, der wiederum von Magnus, Sänger bei InStoresNow vertreten wird, über Weihnachten wieder in Lindau war, hatten The Eelshow wohl für Chritz keine Verwendung, weshalb er sich mit einer Geige an ein Mikrophon, welches nicht angeschlossen war, stellte, um nicht völlig tatenlos auf der Bühne stehen zu müssen. Diese Tatsache führte, gepaart mit meiner Anwesenheit, unweigerlich dazu, dass mir bewusst wurde, dass Chritz Geige spielt. Das kam mir theoretisch sehr entgegen, da ich noch nach einem Geigespieler für ein Lied von uns suchte. Ein kurzes Gespräch, einige Emails und 203,5 Stunden später standen wir heut morgen gemeinsam in unserem Wohnzimmer und versuchten krampfhaft irgendwelche Melodien in ein Lied zu pressen.
Nach einem schnellen aber doch verhältnismäßig gemütlichen Mittagessen fuhren wir auch schon wieder los zu den Aufnahmen. Chritz spielte seine Sachen recht flott ein und war nach 1 1/2 Stunden fertig. Danach versuchte ich mich weiter am Gesang, wozu ich eigentlich nicht wirklich weiter Stellung nehmen muss...
Dann war Jan dran mit der Gitarre. Ich muss sagen, er hat, was Timing und Präzision angeht ganz schön Fortschritte gemacht. Als meine Stimme dann wieder einiger Maßen einsatzbereit war sang ich noch den Rest der Hauptstimme ein. Ich bin ganz froh, dass wir wenigstens die wichtigsten Sachen noch hingekriegt haben. Wir bastelten dann noch ein bisschen an Jan's Gitarrensachen rum, aber wirklich produktiv war es da nicht mehr, weshalb wir uns dazu entschieden zusammen zu packen und ein anderes Mal weiter zu machen. Somit werden wir wohl noch eine Aufnahmesession antreten müssen. Das ist mir aber auch ganz recht, denn so mussten wir uns heute nicht mehr so den Stress geben und ich kann jetzt endlich ins Bett!

Gruß, Bene


last update:
21.07.

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